13.2.1 Der Küchensitz

Erstellt ab 26.12.2018 von Stephan Mischnick


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Neulich, vor ein paar Jahren, saß ich wie immer in meiner Küche herum und fühstückte. Ich hatte mir gerade ein Backbrötchen von ALDI aufgebacken und verschmaust, als mein Blick auf die an der gegenüberliegenden Wand angetackerte  Digitaluhr fiel.

"Du könntest auch mal eine neue Batterie gebrauchen, Alte", raunte ich vor mich hin. Die Küchenuhr aber schwieg genauso wie Chantalle, die leicht rechts von mir an der Wand lehnte und schmollte.

Ich hatte Chantalle vor etwa 1,73 Jahren bei einem Trödler um die Ecke in einem Haufen Trödel entdeckt. Eines ihrer Beine ragte aus einem Haufen Krimskrams hervor und ich wusste gleich, dass ich sie haben wollte.

Also tauschte ich meine Vinylplattensammlung gegen sie ein und leimte ihren schlanken gebrochenen Körper zu einer ca. 1,80 großen Lady zusammen.

Seit dem leistet sie mir in meinem Wohnzimmer Gesellschaft und erschreckt gelegentlich ein paar Besucher, denn sie steht direkt hinter der Eingangstür.

Bei der Namenswahl musste ich richtig überlegen, damit ich einen Namen wählen würde der sowohl prägnant als auch relativ selten ist, jedoch zu keiner mir bekannten Lady passt.

Nach langem Überlegen taufte ich sie auf einem meiner Geburtstage auf den Namen "Chantalle".
 
Als ich eine Freundin frug, ob sie mir schwarze Netzstrümpfe mitbringen könne, schaute diese mich sehr lange sehr seltsam an und brachte mir nach Tagen des bangen Wartens ein paar schwarze Socken mit.

Naja, sie konnte ja nicht wissen ...

Daher hat Chantalle also keine Strümpfe an.

Diese Chantalle stand also nun da und schmollte, während ich die Wanduhr beschimpfte, weil sie schon wieder die Batterie leer gesaugt hatte. Aber auch die Wanduhr sprach kein Wort mit mir.

Aber auf dem Thermometer der Wanduhr bemerkte ich, dass es plötzlich etwa ein Grad wärmer als gerade eben noch im Raum geworden war.

Wie könnte es dazu gekommen sein ?

Nun, ich hatte ja mein Brötchen in meinem Mini-Ofen aufgebacken und den Ofen zum Abkühlen offen stehen gelassen.

"Aha", so fleuchte es mir durch den Kopf, "5 Liter Heißluft von ca. 200 Grad ergibt ca. ein Grad Temperaturerhöhung in den rund 30 Qubikmetern Luft des Wohnzimmers."

Die Energie des Ofens ist also nicht "weg", sondern hat sich ins Wohnzimmer ergossen. Aha.

Würde ich jetzt im Winter mein Wohnzimmer wiedrum als diesen Ofen betrachten und das Fenster zum Lüften öffnen, so würde sich die Erdatmosphäre (wenn man sie denn als ein "übergeordnetes Wohnzimmer" betrachten mochte) um Nullkomma-(ganz viele Nullen)-eins Grad erhöhen.

"Logisch", raunte ich. Zu mehr war mein Gemüt in dieser frühen Stunde nicht fähig.

"Logsich, da ist er wieder, der Energie-Erhaltungs-Satz."

Ein Bummen drang in meinen Schädel und verwundert blickte ich mich um. "Nanu, der Lomumba ist doch schon seit Tagen alle", rann es duch meinen Geist. Da fiel mein Blick auf den kleinen Gefrierschank, der da oben auf dem Kühlschrank umherprotzte.


Ich warf einen Blick hinein, um zu sehen, was man denn noch so vernaschen könnte. Da fiel mein Blick auf eine kleine Gletscherzunge, die an der Oberkante der Gefrierbox in Richtung Freiheit wuchs.

"Hmmm, könnte ich auch mal abtauen", hörte ich mich denken.
"Soll wohl Energie sparen, oder so".

Ob es wohl so ist, dass die Gletscher an den Polen der Erde gar nicht abschmelzen, sondern in die Luft sublimieren und dann in den Millionen von Kühlgeräten zurücksublimieren und dann diese kleinen Mini-Gletscher entstehen ?

Möglich wäre es schon.

Und ob es eine riesige Überschwemmung gäbe, wenn ich nun hier ganz frech verlautbare, dass man diese Mini-Gletscher abtauen soll ? Millionen von Kühlgeräten, in denen nach dieser Aufforderung jeweils ein halber Liter Wasser entstünde ?

Nicht auszudenken. Ich schüttelte diese Gedanken ab und klappte den Schrank wieder zu.

"Sind das nicht alles Teufelskreise ?", schrie ich und blickte Chantalle fragend an.

Sie schwieg. --- Wie immer.

"Weiber", dachte ich und schlürfte eine Tasse Kaffee.



In diesem Sinne,


mal ran an den Stoff,


Euer Strippenstrolch,


 

"Nicht schlecht, Herr Specht." --- "Gefällt mir gut, Knut !"





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